Moderne psychologisch-psychiatrische Untersuchungen an Sexualstraftätern und ihr strafprozessualer Kontext
Prof. Dr. Marc Graf

Bei der forensisch-psychiatrisch/-psychologischen Beurteilung von Sexualstraftätern stellt sich oft das Problem, dass stark auf die subjektiven Angaben des Untersuchten abgestellt respektive aus Verhaltensbeobachtungen indirekte Rückschlüsse auf innerpsychische Zustände und Vorgänge gezogen werden müssen. Forensisch-psychiatrische/-psychologische Gutachten und Therapieberichte sind in strafrechtlichen Verfahren letztlich Beweise, welche der richterlichen Würdigung unterliegen. Moderne Untersuchungsverfahren haben in den letzten wenigen Jahren in ausgesuchten Bereichen eine Qualität erreicht, welche aus wissenschaftlicher Sicht eine klinische Anwendung, auch und gerade in einem forensischen Kontext, nahe legen. Demgegenüber stehen wissenschaftskritische, ethische Bedenken, welche dadurch unter anderem und insbesondere die Rechte des Angeschuldigten oder Verurteilten in Frage gestellt respektive bedroht sehen. Der Vortrag zeigt den aktuellen Stand des Wissens in diesem Bereich und bietet Lösungsvorschläge für dieses vermeintlich neue Dilemma an.