50 Jahre Risk Assessment bei Sexualstraftätern
Prof. Dr. Reinhard Eher

Der Beginn des „Risk Assessments“ im Sinne eines empirisch-wissenschaftlichen Zugangs zur Einschätzung des späteren Gewaltrisikos wird vielfach im Jahr 1954 anberaumt, als Paul Meehl in seinem Buch Clinical vs. Statistical Prediction: A Theoretical Analysis and a Review of the Evidence die Annahme untermauerte, dass die Beurteilung bereits weniger Merkmale menschliches Verhalten besser vorhersagen kann als damals übliche klinische Zugänge. Die Entwicklung des Violence Risk Appraisal Guide (VRAG) und seiner Sexualstraftäter-Version (SORAG) waren dann logische Konsequenzen, ebenso der für Sexualstraftäter entwickelte Static-99. Diese sowie auch andere spätere Verfahren verbesserten die Grundlage der forensisch-gutachterlichen Tätigkeit, sind aber bis heute von inhärenten Grenzen begleitet, die man als Gutachter berücksichtigen muss.